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Interview der Heidenheimer Zeitung mit Trainer und Manager Klaus Eckle zum Saisonende

2025 war für die Heideköpfe das Mega-Jahr mit Gewinn des Champion Cups und der achten deutschen Meisterschaft, in diesem Jahr scheiterten die Heidenheimer Baseballer bereits im Viertelfinale und auch international reichte es nicht bis ins Endspiel. Wie erklärt Trainer und Manager Klaus Eckle diesen Absturz und wie könnte es weitergehen?

Herr Eckle, man könnte meinen, die Heideköpfe haben ein Problem mit geraden Jahren, sieben ihrer acht Titel haben sie in ungeraden Jahren gewonnen …
Klaus Eckle: (lacht) Ich glaube nicht, dass wir da ein Problem haben. Aber vielleicht brauchen wir immer wieder so ein Jahr dazwischen, um dann wieder angreifen zu können.

Woran lag es dann, dass nach der grandiosen Saison 2025 in diesem Jahr sowohl international als auch in der deutschen Meisterschaft vorzeitig Schluss war?
Das darf man jetzt auch nicht dramatisieren. Vergangenes Jahr lief auf einmal alles. Da hast du die Euphorie des Europapokalsieges mitgenommen und in den Play-offs ist – zusammen mit dem Kern der Mannschaft – der ein oder andere Ergänzungsspieler über sich hinausgewachsen. Dieses Jahr war halt ein bisschen der Wurm drin. Du hast nicht das Spielglück und dann passieren Sachen, die du so nicht erwarten würdest.

In den vergangenen Jahren legten die Heideköpfe in den Play-offs immer mindestens eine Schippe drauf. Konnte man dieses Mal mit dem Druck nicht so gut umgehen?
Ich glaube ganz ehrlich, dass beim einen oder anderen der letzte Wille gefehlt hat. Der eine oder andere muss sich an die eigene Nase fassen, weil er sich nicht so vorbereitet hat, wie man in solche Ausscheidungsspiele gehen muss. Das hat viele Gründe. Wir sind Amateure, die Leute haben andere Prioritäten.

Bei langjährigen Leistungsträgern war dieser Wille aber weiterhin zu erkennen?
Ja. Wenn ich sehe, wie sich gerade einige der erfahrenen Spieler auf diese Ausscheidungsspiele vorbereitet haben, dann weißt du: Die lassen sich nichts nachsagen. Die haben mit dem, was noch im Tank war, 100 Prozent gegeben. Das ist auch dieses Heideköpfe-Gen, mit dem wir acht Meisterschaften gewonnen haben.

Ich will aber auch nicht alle über einen Kamm scheren. Phildrick Llewellyn war in der Vorbereitung teilweise mit der Nationalmannschaft weg, hat aber trotzdem sein Herz auf dem Platz gelassen. Elias Redle hat sich an den Kern der Mannschaft herangespielt. Alex Sanabia hat sich trotz seiner Verletzung so weit präpariert, dass er noch gute Einsätze hatte.

Hinzu kam großes Verletzungspech. Wie schwer hat das die Mannschaft im Viertelfinale getroffen?
Im Rückspiel in Paderborn sind wir schon ohne vier Spieler angetreten. Und dann bricht quasi in einer Aktion bei Alex Sanabia die Oberschenkelverletzung wieder auf und Simon Gühring zieht sich durch eine Kollision mit einem Paderborner Spieler eine schwere Ellbogenverletzung zu. Da stehst du dann als Trainer da und denkst: Das gibt es doch alles nicht.

Trotz des Ausscheidens waren die letzten Spiele gegen Paderborn eng. Wie bewerten Sie die Serie?
Wenn man einen Film darüber machen müsste, was alles schieflaufen kann, dann wären die Spiele drei, vier und fünf gutes Material. Das waren alles knappe Spiele und guter Baseall. Durch den Kunstrasen hat Paderborn auch einen enormen Heimvorteil. In Spiel drei gab es beispielsweise eine Szene, in der uns die Platzverhältnisse getroffen haben. Bei leichtem Regen entstehen auf diesem Feld Spielszenen, die du sonst so kaum siehst. Unser Spieler ist an einem Base vorbeigerutscht, daraus entstand am Ende ein Double-Play und das Spiel war vorbei.

Wer soll jetzt Deutscher Meister werden?
Ich wünsche mir ein Finale Paderborn gegen Hamburg, befürchte allerdings, dass Bonn den Titel holt. Paderborn spielt zumindest mit einer guten, jungen deutschen Mannschaft. Hamburg hat sich sportpolitisch ähnlich positioniert wie wir, deshalb würde ich es ihnen ebenfalls gönnen.

Sie sprechen Bonn an. Wie groß wären die Chancen der Heideköpfe im Halbfinale überhaupt gewesen?
Mit all den Verletzten wären unsere Chancen gegen Bonn gering gewesen. Das ist eine wirklich gute Mannschaft, die auf einem nahezu professionellen Level trainiert und spielt. Natürlich hätten wir es versucht. Im Baseball weißt du nie, was passiert. Letztes Jahr haben wir schließlich auch Regensburg geschlagen, obwohl die nominell besser aufgestellt waren.

Wie groß ist die wirtschaftliche und strukturelle Lücke zu Standorten wie Regensburg, Bonn oder Paderborn?
Sehr groß. Wir reden da von Organisationen mit ganz anderen finanziellen Möglichkeiten. Paderborn und Regensburg haben beispielsweise mehr als 20 bezahlte Mitarbeiter. Deshalb müssen wir uns überlegen, ob wir uns eine Deutsche Baseball-Liga, die immer weiter professionalisiert wird, in dieser Form überhaupt noch antun können.

Steht nun der bereits länger angekündigte Generationswechsel an?
Hundertprozentig. Das ist jetzt der klare Schnitt. Vielleicht brauchen wir ein paar Jahre, um wieder eine wirklich heimische Mannschaft aufzubauen. Aber den jungen Spielern müssen wir die Chance geben. Wenn du es schaffst, dass vier- oder fünfmal in der Woche gemeinsam trainiert wird und sich ein echtes Spielsystem entwickelt, kannst du daraus etwas machen.

Wie könnte die Mannschaft für 2027 konkret aussehen?
Im Kopf gibt es eine Vorstellung, auf dem Papier ist noch nichts endgültig. Es hängt davon ab, welche erfahrenen Spieler wirklich noch einmal weitermachen. Ich hoffe beispielsweise, dass Gary Owens noch einmal als Leitwolf eine junge Mannschaft um sich versammelt und auf dem Feld ein Anker sein kann. Bei anderen erfahrenen Spielern hängt es davon ab, wie sie nach ihren Verletzungen zurückkommen. Denn wenn wir diesen Weg gehen, müssen auch die erfahrenen Spieler drei- oder viermal pro Woche gemeinsam mit den Jungen trainieren.

Welche Abgänge stehen bereits fest?
William Germaine geht zurück nach Kanada, Werfer Sven Enter hört auf jeden Fall auf, Mike Bolsenbroek aus dem Trainerstab wahrscheinlich ebenfalls. Weitere Entscheidungen werden in den nächsten Wochen fallen.

Welche Rolle soll Alex Sanabia künftig spielen?
Der Plan ist, dass Sanabia im nächsten Jahr wiederkommt und als Pitching-Trainer arbeitet. Gerade wenn wir wollen, dass unsere jungen Spieler besser werden, brauchen wir sehr gute Trainer. Er würde dann aber auch im zweiten Spiel auf dem Mound stehen.

Heißt das auch, dass die Heideköpfe künftig auf europäische Pitcher verzichten wollen?
Zumindest ist das derzeit der Plan. Der Aufwand und der Ertrag stehen für uns nicht mehr im richtigen Verhältnis. Wir müssen von dieser etwas aufgeblasenen Struktur wieder auf ein Grundlevel zurückkommen, auf dem eine Mannschaft gemeinsam Vollgas gibt. Man muss aber auch ehrlich sein: Diese Mannschaft wird 2027 wahrscheinlich nicht um die deutsche Meisterschaft spielen. Vielleicht kann sie das in drei Jahren.

Wie viel Potenzial steckt im eigenen Nachwuchs? Können die Heideköpfe damit gegen die großen Standorte mithalten?
Wenn wir dieses besondere Mannschaftsgefühl hinbekommen, können wir ein Stück weit fehlendes individuelles Talent ausgleichen. Im Teamsport kann eine Mannschaft sehr viel auffangen. Das haben wir über Jahre gezeigt. Wir haben einige wirklich talentierte Spieler. Aber wir müssen auch ehrlich sein: Nicht alle haben individuelles Profi-Talent. Wenn ich mir drei oder vier Spieler in Paderborn anschaue, dann ist das teilweise ein anderes Niveau bei Grundgeschwindigkeit, Größe, Schnelligkeit oder Auge-Hand-Koordination. Trotzdem können wir mithalten. Ob wir solche Mannschaften regelmäßig schlagen können, ist eine andere Frage.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass dieser Weg funktionieren kann?
Unsere Jungs aus der aktuellen U18 sind vor drei Jahren Deutscher U15-Meister geworden. Die haben im kommenden Jahr eine echte Chance, den Titel in der U18 zu holen.

Kann daraus tatsächlich wieder eine stark lokal geprägte Mannschaft entstehen?
Ja. Einige Spieler studieren oder leben inzwischen in Heidenheim. Das kann eine lokale Mannschaft werden, die wirklich gemeinsam trainiert und sich untereinander gut versteht. Vielleicht identifizieren sich die Zuschauer mit so einer Mannschaft sogar stärker. Wir brauchen allerdings vor allem Pitching. Wir haben junge Werfer, die mit gutem Training Potenzial haben. Wenn wir zusätzlich noch einen guten deutschen Pitcher finden könnten, wäre das Grundgerüst stabiler.

Ist dabei überhaupt sicher, dass die Heideköpfe weiterhin in der höchsten deutschen Liga spielen?
Nein. Wenn sich die Deutsche Baseball-Liga wieder auf ein vernünftiges Niveau bewegt, spielen wir dort mit. Wenn nicht, dann spielen wir eben in der zweiten Liga.

Was müsste sich am Spielplan ändern, damit die Heideköpfe weiter in der Bundesliga antreten?
Wir haben ein klares Schreiben an die Verbandsverantwortlichen gerichtet. Wenn sich ein Spielplan mit so vielen Einzelspieltagen und den damit verbundenen riesigen Fahrtkosten wiederholt, werden wir im nächsten Jahr nicht mitspielen. Wir bekommen 20 Heimspieltage organisatorisch nicht mehr gestemmt. Das betrifft die Helfer außerhalb des Spielfelds genauso wie die Spieler.

Wie extrem waren die Belastungen in dieser Saison?
Wir hatten amerikanische Gäste wie Justin Garrett oder Ryan Hills hier, die sich den Spielplan angeschaut und sinngemäß gefragt haben, ob wir jetzt Profis sind. Das ist ein amerikanischer Profispielplan. Du kannst Amateure nicht von April bis August jedes Wochenende komplett am Samstag und Sonntag spielen lassen. Das funktioniert nicht. Die Spieler haben Familien, Partnerinnen, Berufe und ein Leben außerhalb des Baseballs.

Auch die Auswärtsfahrten waren ein Problem?
Natürlich. Aus Kostengründen sind wir an einem Samstagmorgen nach Hamburg gefahren, um dort um 19 Uhr zu spielen. Als Trainer ist das eine Katastrophe. Als Manager war es aber die einzige Lösung. Die Spieler bekommen irgendwann freitags nicht mehr frei, weil der Urlaub aufgebraucht ist. Gleichzeitig kannst du dir nicht ständig zusätzliche Hotelübernachtungen und einen großen Reisebus leisten. Also fährst du mit Kleinbussen hoch, kommst womöglich direkt am Spielort an und sollst dann gegen eine nahezu professionelle Mannschaft gewinnen.

Wie sehen Sie unter diesen Voraussetzungen die Zukunft der Deutschen Baseball-Liga?
Ich sehe schwarz, wenn dieser Weg weitergegangen wird. Dann spielen irgendwann vielleicht noch vier Mannschaften auf diesem Niveau: Regensburg, Paderborn, Bonn und eine weitere Organisation, die sich dazu berufen fühlt. Der Rest wird das auf Dauer finanziell nicht bestreiten können.

Wenn du eine Profiliga aufbauen willst, brauchst du zuerst das Geld dafür. Wenn ein großer Sponsor kommt und jedem Standort 100.000 Euro gibt, dann können wir anfangen, Strukturen zu professionalisieren. Aber nur die Kostenstruktur immer weiter zu erhöhen, in der Hoffnung, dass dadurch das Produkt besser wird und irgendwann Geld hereinkommt, funktioniert nicht. Wir haben das zwei Jahre lang versucht und sind dabei über unsere Möglichkeiten gegangen.

Spiegelt sich das auch bei den Zuschauerzahlen wider?
Die Zuschauerzahlen in der Interleague waren katastrophal. Teilweise waren nur etwas mehr als 100 Zuschauer im Stadion, in manchen Spielen noch weniger. Manche Vereine konnten nicht mehr alle Vorgaben des Verbandes erfüllen. Gerade die Interleague-Spiele haben gezeigt, dass Anspruch und Realität im deutschen Baseball teilweise weit auseinanderliegen.

Bericht: Heidenheimer Zeitung

Foto: Susanne Liedtke

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