Heidenheim Heideköpfe gewinnen die Playoff-Viertelfinalspiele gegen Paderborn mit 6:1 und 8:2
Das waren wieder ganz andere Heideköpfe: Nach der mehr als zähen Interleague siegten die Heidenheimer Baseballer zum Auftakt der Play-offs mit 6:1 und 8:2 gegen die Untouchables aus Paderborn. Dabei überzeugte insbesondere das Pitching und ein Spieler verblüffte mal wieder alle: Enorbel Marquez-Ramirez, genannt „Enno“.
Der Mann ist einfach ein Phänomen. In einem Alter, in dem für die meisten Gesundheitssport das Höchste der Gefühle ist, zeigt der 51-Jährige Deutsch-Kubaner weiterhin sportliche Topleistungen. Dabei sind die Voraussetzungen für ihn nicht gerade einfach. „Enno“ lebt und arbeitet in Berlin als Busfahrer. „Ich habe wenig Zeit zum Trainieren, fahre mit meinem 18-Meter-Bus durch die Hauptstadt“, berichtet er lachend. Wer ihn kennt, weiß aber, dass der seit vielen Jahren erfolgreiche Sportsmann sehr diszipliniert und weiter hoch motiviert ist.
Anfang der 2000er Jahre kam Marquez-Ramirez durch seine Frau nach Deutschland, spielte in Solingen, Italien und Berlin, 2019 dann erstmals für die Heideköpfe. Schon öfter schien die sportliche Karriere auszulaufen, aber auch in diesem Jahr schaffte er es mit über 50 Jahren nochmals, sich für die Play-offs in Form zu bringen.
Dabei war der Start gegen Paderborn für ihn schwierig. Gleich die ersten beiden Spieler der Gäste musste er per Freilauf auf Base lassen. „Ich hatte Schwierigkeiten, ins Spiel zu kommen. Es war so warm, das bin ich nicht mehr gewohnt“, so der gebürtige Kubaner schmunzelnd. Der Heideköpfe-Werfer zog nicht nur in dieser Situation den Kopf aus der Schlinge. In fünf Innings gestattete er Paderborn keinen einzigen Punkt, ließ nur zwei Hits und zwei Walks zu und warf vier Strike-outs.
„Jetzt fühle ich mich sehr gut, die zwei Wochen Pause haben mir sehr gutgetan“, so „Enno“ nach der Partie. Vorher gab es schon einige Kurzeinsätze, in der entscheidenden Phase stimmt die Form nun. „In den Play-offs muss man gewinnen, es ging alles so auf, wie ich dachte“, sagt Marquez-Ramirez, der auch in den weiteren K.-o.-Spielen für die Heideköpfe auflaufen kann.
Zur Bestätigung kommt beim Gespräch noch Troy Williams vorbei. Der frühere Heideköpfe-Coach arbeitet für den Deutschen Baseballverband und beobachtet die Pitcher. Williams gratuliert „Enno“ und erklärte voller Anerkennung: „85 Meilen“. Soll heißen: Marquez-Ramirez hat den Ball bei einem Wurf mit etwa 137 Stundenkilometern zum Catcher gefeuert. „Ach was“, kommentierte der Pitcher und fügte an: „Und ich war noch nicht bei 100 Prozent, glaub mir.“
Alle Pitcher in Form
Ebenso boten die weiteren Werfer der Heidenheimer starke Leistungen. Oscar Syren löste „Enno“ beim Stand von 3:0 ab, kassierte zwar einen Homerun, dann aber keinen weiteren Punkt ab. Am Ende war der 6:1-Sieg nie gefährdet. Offensiv glänzte Gary Owens mit vier Hits bei vier Versuchen. Das Team von Trainer Klaus Eckle nutzte auch taktische Schwächen des Gegners konsequent aus.
Syren überzeugte unter anderem mit fünf Strike-outs. Für Motivation sorgte bei ihm nicht zuletzt Besuch aus der Heimat. Sein Bruder und vier weitere Kumpels hatten die weite Reise aus Schweden angetreten und einen kurzen Deutschland-Urlaub mit dem Besuch im HellensteinEnergie Ballpark verbunden. „Das war schon sehr schön, wie die Jungs da gejubelt haben“, berichtet Syren, der seine beste Vorstellung seit Langem bot und auf die Play-offs heiß ist.
Den souveränen Auftritt von Alex Sanabia tags darauf hatte man fast schon erwartet. In sieben Innings ließ der wiedergenesene Werfer nur zwei Punkte zu (fünf Strike-outs) und warf dabei sehr ökonomisch. Offensiv taten sich die Heidenheimer in der zweiten Partie aber lange schwer, führten Mitte des sechsten Durchgangs nur mit 2:1. Dann gelang gegen Paderborns eingewechselten Pitcher Phlip Digirolama aber eine Serie von schönen Hits, unter anderem ein Triple von Luca Hörger. Dies führte zu fünf Punkten und damit war das Spiel gelaufen.
Jose Pimentel machte mit zwei guten Innings den Deckel drauf, den Schlusspunkt setzte William Germaine mit einem fulminanten Homerun. Auch die Defensive überzeugte in den beiden Partien gegen Paderborn. Shortstop Simon Liedkte zeigte einige starke Aktionen, Höhepunkt war der Wurf von Rightfielder Hörger zu Catcher Phildrick Llewellyn, mit dem ein Paderborner noch vor der Homeplate erwischt wurde.
Für Aufregung sorgte noch ein heftiger Kopftreffer bei Schiedsrichter Alexander Hartl. Er bekam den vom Schläger nur leicht abgefälschten Ball frontal auf den Gesichtsschutz und blieb einige Zeit benommen. Ohne diese Maske wäre das böse ausgegangen. Die beiden anderen Umpire machten zu zweit weiter, Hartl war nach kurzer Zeit aber wieder auf den Beinen.
Mit den beiden Erfolgen haben die Heideköpfe nun eine gute Ausgangsposition, ein Sieg muss am kommenden Wochenende in Paderborn noch her, um ins Viertelfinale einzuziehen. Allerdings sind die Gastgeber – bei denen am Wochenende mit dem Südafrikaner Christian Beyers der beste Schlagmann fehlte, – weiterhin gefährlich. Zumal die Heidenheimer in Paderborn mit dem ungewohnten Kunstrasenspielfeld zurechtkommen müssen. In den anderen Viertelfinals liegen die Favoriten Bonn, Regensburg und Hamburg ebenfalls mit 2:0 Siegen vorn.
Im Halbfinale würden die Heideköpfe auf die Bonn Capitals treffen.
Namen und Zahlen
Heidenheim Heideköpfe – Untouchables Paderborn 6:1 / 8:2
Hits: 13:5 / 8:8, Errors: 2:2 / 0:2, Zuschauer 330 / 410
Heideköpfe: Schulz (2B; 2/7, 2 Walks), Owens (CF; 5/9, 1 Double), Germaine (3B; 1/8, 1 Homerun, 1 RBI), Llewellyn (C; 2/5, 1 RBI, 3 Walks), Gühring (1B; 3/6, 2 RBI, 1 Walk), Hörger (RF; 2/5, 2 RBI, 1 Walk), Kilian Redle (LF; 1/7, 1 Double, 2 RBI), Elias Redle (DH; 3/7), Liedtke (SS; 1/7), Montgomery (LF; 1/2), Landwehr (DH; 0/1), Lindemann (2B; 1 Walk) – Pitcher: Marquez-Ramirez (5 Innings, 0 Earned Runs, 4 Strike-outs), Syren (4 I, 1 ER, 5 SO), Sanabia (7 I, 2 ER, 5 SO), Pimentel (2 I, 0 ER, 2 SO)
Bericht: Heidenheimer Zeitung
Foto: Susanne Liedtke
