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Sweep gegen die Tornados

Neuzugang Riccy Torres auf dem Heideköpfe-Mound. Foto: Kalle Linkert

Neuzugang Riccy Torres auf dem Heideköpfe-Mound. Foto: Kalle Linkert

Mal meisterlich, mal mit Moral: Baseball-Bundesliga Heidenheim Heideköpfe schlagen die Mannheim Tornados mit 9:2 und 4:3 nach Verlängerung – damit ist dem HSB-Team die Südmeisterschaft nicht mehr zu nehmen.

Von Thomas Jentscher

Wenn das kein Vorgeschmack auf die Play-offs war. Souveräne Leistung, spektakuläre Verteidigung, grandiose Aufholjagd und ein Unwetter – in den beiden Spielen der Heidenheimer Baseballer gegen die Tornados aus Mannheim war wirklich alles drin. Durch das 9:2 und 4:3 ist den Heideköpfen nun zwei Spieltage vor Ende der „Regular Season“ Platz eins in der 1. Liga Süd nicht mehr zu nehmen.
Dabei gingen die Heidenheimer mit einigen Sorgen in den Spieltag gegen die grandios besetzte Mannheimer Truppe, in deren Dugout vorwiegend spanisch gesprochen wird. Johannes Krumm war als Werfer gar nicht, Neuzugang Riccy Torres nur minimal einsetzbar. Trainer Klaus Eckle machte aus der Pitcher-Not eine Tugend, setzte auf ein munteres Wechselspiel auf dem Mound – und dies ging bestens auf.
Munterer Pitcher-Wechsel

Torres, Julius Spann in drei starken Innings, Marcel Giraud, Elian Gentner und Patrick Seyfried teilten sich die Aufgabe und mussten letztlich keinen einzigen Earned Run hinnehmen – die beiden Punkte der Gäste kamen durch Fehler zustande. Dass es gut lief lag ebenso daran, dass die Heideköpfe am Schlag extrem konzentriert agierten. Da wurde auf fast keinen einzigen schlechten Ball geschwungen, die Chancen auf Hits und Walks konsequent genutzt. Zudem gab Eckle seinen Mannen ein aggressives Laufspiel vor, am Ende standen vier „Stolen Bases“ zu Buche.
So gelang schon im Rückschlag des ersten Durchgangs durch einen Walk von Jay Pecci, Hits von Gary Owens und Simon Gühring sowie einen Opferschlag von Mitch Nilsson die 2:0-Führung. Im zweiten Inning folgte das 3:0, im vierten erhöhten die Heideköpfe nach Walk für Owens sowie Double von Nilsson und Triple von Shawn Larry auf 5:0.
Das gab der jungen Pitcher-Riege natürlich Sicherheit, dazu kam eine sehr starke Defense. Shortstop Philip Schulz gelang ein Spielzug, den man selbst in den amerikanischen Profi-Ligen selten sieht: Nach einem Schlag genau übers zweite Base – also eigentlich außerhalb seiner Reichweite – holte er sich die Kugel noch und warf ans erste Base, wo sich Robert Gruber ganz lang machte. Grandios war auch, wie sich Pecci einen Ball im Foul-Territory holte.
Durch die gute Leistung in der Offensive hatte Mannheims Pitcher Giacomo Polanco nach fünf Innings bereits gewaltige 127 Würfe im Arm und machte Platz für Panayot Zhlatov – da stand es aber bereits 9:0 und das Spiel war entschieden. Ein Highlight hatten sich die Heideköpfe noch für den sechsten Spielabschnitt aufgehoben: Werfer war nun der erst 15-jährige Gentner, der durch die nun etwas unkonzentrierte Verteidigung unter Druck geriet.
Nach zwei Errors, zwei Hits und einem Walk stand es nur noch 9:2 und bei einem Aus waren alle Bases besetzt. Beim nächsten Schlagmann kam der Ball genau zurück auf den Heidenheimer Pitcher, der fing die Kugel mit einem tollen Reflex und warf blitzschnell ans dritte Base – zwei Aus, Inning beendet, Spiel entschieden.
Fürs vorzeitige Ende sorgte dann nicht die Überlegenheitsregel, sondern ein heftiges Gewitter. Es waren aber längst genug Innings gespielt, damit die Partie trotzdem gewertet wird. Beste Schlagleute im HSB-Team waren Owens (3 von 3) und Lutz (3 von 4).

Aufholjagd im zweiten Spiel

Somit hatten die Heideköpfe den angestrebten Sieg bereits unter Dach und Fach und sogar noch die vermeintlich besten Werfer fürs zweite Spiel geschont. Vielleicht machte sie das ein wenig zu sicher, vielleicht war auch die schwüle Hitze am Samstagnachmittag schuld – jedenfalls ging der Start ordentlich daneben. Pitcher Justin Erasmus gab gleich ein Double und ein Single ab, zeigte dann auch Schwächen bei der Bunt-Verteidigung. Die Tornados nützten dies zu zwei Punkten und diesem Rückstand liefen die Heidenheimer lange hinterher, da sie diesmal ihre Chancen im Angriff nicht nutzten. Allein in den ersten drei Innings „verhungerten“ sechs Läufer auf den Bases.
Erasmus fing sich, in der Abwehr der Heideköpfe wechselten richtig starke Aktion mit ungewohnten Fehlern, in der Offensive gelang aber einfach nicht der entscheidende Schlag, um die Runner auch einmal nach Hause zu bringen. Den ersten Punkt im fünften Durchgang beantwortete Mannheim gleich wieder und so stand es auch im letzten Inning 1:3. Auf dem Mound stand mittlerweile Clayton Freimuth, der bärenstark agierte und seinem Team eine letzte Chance eröffnete. Und diese nutzten die Heideköpfe: Schulz kam per Hit und Lutz per Walk auf Base, beide rückten nach einem „Wild pitch“ vor und kamen bei zwei Aus dann durch den Hits des nervenstarken Owens nach Hause.
Lutz war wieder Mann des Tages
Damit stand es 3:3 und es ging in die Verlängerung. Freimuth hatte mit beeindruckenden neun Strike-outs in vier Innings die Mannheim im Griff. Im ersten Zusatz-Durchgang gelang auch den Heideköpfen nichts, im elften Inning war es aber soweit: Schulz schlug einen Hit und Lutz legte einen phantastischen Bunt hin – ganz kurz an der linken Außenlinie entlang. Dies führte zu einem Überwurf der Mannheimer, Schulz machte sich auf den langen Weg und lief zum umjubelten 4:3-Sieg nach Hause.
War Sascha Lutz kürzlich in Mainz noch mit zwei Homeruns der Mann des Tages, so war er diesmal mit „Small Ball“, wie die Baseballer sagen, also mit kleinen Schritten. In Spiel zwei kam der Heidenheimer Leftfielder auf zwei Hits und vier Walks, ging kein einziges Mal aus, lief zwei Punkte nach Hause. Insgesamt ging er an dem Wochenende elf Mal an die Platte und kam zehnmal auf Base (5 Hits, 5 Walks). Und mit einem Bunt ein Spiel zu entscheiden, gelingt einem auch nicht alle Tage.

Heidenheim Heideköpfe – Mannheim Tornados 9:2/4:3
Hits: 12:9/10:10, Errors: 2:2/5:1,
Zuschauer: 250/200
Heideköpfe: Lutz (CF/1B; 5 Hits bei 6 Schlagversuchen, 5 Walks, 1 RBI), Pecci (3B; 2/8, 2 Walks), Owens (CF; 4/7, 4 RBI, 2 Walks), Gühring (C; 2/9, 1 RBI, 1 Walk), Nilsson (2B; 3/6, 2 RBI, 2 Walks), Larry (RF; 1/9, 1 RBI), Gruber (1B; 0/2, 1 RBI, 2 Walks), Buck (DH; 0/4), Schulz (SS; 3/7, 2 Walks) Krumm (DH; 1/6), Hurler (1/4) – Pitcher: Torres (2 Innings, 0 Earned Runs, 1 Strike-out), Spann (3 I, 0 ER), Giraud (1 I, 0 ER, 1 SO), Gentner (1 I, 0 ER), Seyfried, Erasmus (7 I, 2 ER, 3 SO), Freimuth (4 I, 0 ER, 9 SO)

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